| Oregons Küste: 640 km Paradies! |
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Oregon: Geheimtipp: 640 km Paradies! Von Karin Ochenbauer Gleich zu Beginn stellt sich die Frage: Kann man das Paradies bemessen? Ja, man kann es. In Oregon. Denn die Küste des 33.Bundesstaates im Nordwesten der USA ist ein durchgehendes Paradies, das sich bereitwillig dem offenbart, der sich mit Zeit und Muse auf es einlässt. Auf unserer Reise durch den Norden Kaliforniens und nach der Rundfahrt um den Crater Lake, der tatsächlich das faszinierendste Blau widerspiegelt, das ein menschliches Auge erfassen kann, stoßen wir bei Bandon an Oregons Südküste. Ich sehe den Leuchtturm, ich sehe den Strand, ich sehe die Monolithen, die in vielfältiger Form wie Phantasiegestalten aus dem Meer ragen, und ich weiß: ich bin angekommen. Am Strand bietet sich uns ein buntes und auch lustiges Bild: zahlreiche Allerwerteste ragen in die Luft! Wir sprechen ein junges Pärchen an, Linda und Eric, und fragen sie, was alle hier so eifrig sammeln: „Halbedelsteine. Wir polieren sie, und dann leuchten sie in wunderbaren Farben. Ich bin heute ein Glückspilz“, meint Linda und zeigt mir einen schwarzbraunen, runden Stein, „das hier ist nämlich versteinertes Holz. Ganz selten zu finden!“. Wir fügen uns gerne in das bunte Bild ein und beginnen auch, schöne Steine zu sammeln, weil es einfach ein sinnlicher Genuss ist, die vom Meer glatt geschliffenen, glänzenden Kleinode in Händen zu halten. Wir schenken unseren Schatz dann Linda und Eric und schlendern weiter den Strand entlang, bis wir hinter uns rasche Schritte hören. Linda kommt uns nachgelaufen: „Karin, das ist für Dich. Das Meer sagt, dass er Dir gehören soll. Noch eine schöne Reise!“ Berührt von der Liebenswürdigkeit halte ich das braunschwarze versteinerte Holz in der Hand! Bevor die Dämmerung einbricht suchen wir uns ein Zimmer. Schnell sind die Koffer abgestellt, schnell die Holzstufen zum Strand bewältigt. Der Nebel zieht vom Meer her, und die Zeit ist erreicht, die ich so sehr liebe: die blaue Stunde, in der die Dämmerung alles in ein diffuses Licht hüllt und die Monolithen wie Schattenspieler im Nebel auftauchen und verschwinden. Hier scheint die Zeit stillzustehen, und doch verändert sich die Landschaft sekündlich, wenn die heftige Brandung an den Felsen bricht und die Sonnenstrahlen versuchen, sich ihren Weg durch den dichten Nebel zu bahnen. Seesterne kleben orangefarben und violett an den Felsen und bilden einen wunderbaren Kontrast zu den zartgrünen Anemonen. Möwen stolzieren in den auslaufenden Wellen und stoßen ihre spitzen Schreie aus, Austernfänger trippeln und widerspiegeln sich in der glatten Wasserfläche. Ein Surfer taucht in seiner schwarzen Gummihaut auf seinem roten Surfbrett in die graue Wassermasse. Ted, der Berufsfotograf aus Portland, wird bis zu den Knien vom kalten Meer umspült. Klick, klick, klick. Und nochmals klick, klick, klick. Hunderte Male. Schließlich will der Sonnenuntergang in all seinen Facetten digital erfasst werden! Denn in Oregon ist ein Sonnenuntergang nicht einfach eine rotgüldene Scheibe, die langsam hinter dem Horizont verschwindet und den Ozean in ein orangegoldenes Lichtermeer taucht – die riesigen Monolithe bieten gemeinsam mit Sonne, Lichteinfall und brechenden Meereswellen eine spektakuläre Szenerie, die eingefangen werden möchte. Immer wieder. Klick, klick, klick! Auf auf all den drei Landkarten, die ich mit mir führe, ist der Simpson Reef Overlook als Ende der Straße eingezeichnet, nur die Straßen dorthin unterscheiden sich von Karte zu Karte. Das spielt aber keine Rolle, wir haben Zeit, nichts muss gesehen und besichtigt werden, wir dürfen uns vom Zufall treiben lassen. Und der beschert uns einen Aussichtsplatz, wo wir das Gefühl haben, bei „Universum“ live dabei zu sein. Am Ende der Straße führt ein kleiner Weg durch ein Wäldchen, und ein Zaun mit Schild warnt eindrücklich davor, den Zaun zu übersteigen – wir nehmen die Warnung ernst, als wir über den Zaun klettern, und halten uns an Wurzeln und Geäst fest, bis wir unseren Aussichtsplatz auf dem Felsplateau erklimmen: Nur wenige Meter entfernt tummeln sich die Seelöwen in der weißen Gischt, wälzen ihre schweren Leiber auf den nassen Fels, richten sich kampfbereit auf, wenn ein Kontrahent ihnen den Platz streitig machen möchte. Wir riechen ihren Atem, wir hören lautstark ihr Gebell, wir sehen das Zittern ihrer Barthaare. Und sind entzückt! Innerhalb weniger Stunden solch großartige Erlebnisse! In Charleston fahren wir in den Hafen – wo sonst kann man besseren Fisch essen? Wir plaudern mit den Fischern, die ihren Tagesfang putzen und die Reste den Seelöwen zuwerfen, um sie für uns näher anzulocken. Wir wundern uns, dass ein Seelöwe etwa einen halben Meter unter der Meeresoberfläche ausharrt und uns im Visier behält, während wir mit der Kamera vor dem Auge ausharren, bis er auftaucht, um ihn zu fotografieren. Ein kleines Missverständnis – der Seehund wartet nämlich geduldig, bis wir die Kamera bewegen, denn für ihn sieht sie wie Futter aus! Wir werden aber von den Fischern rechtzeitig gewarnt, der Seehund erhält als Trost einen weiteren Fisch, wir ziehen mit unserer Kamera davon und genießen im Hafenrestaurant herrlichen Fisch! Zwischen Coos Bay und Florence machen wir immer wieder Halt, um zwischen den gigantischen Sanddünen zu spazieren, beim Heceta Lighthouse, einem der beliebtesten Fotomotive an Orgeons Küste, fotografieren wir die idyllische Landschaft mit Fels, brechenden Meereswellen und romantischem Leuchtturm, in Neskowin sitzen wir mit einer Flasche Pinot Noir von Oregons exzellenten Weingütern neben dem „Proposal Rock“ im Sand und lassen uns von der Kraft der Landschaft bezaubern: aus dem Landesinneren mäandert ein Bächlein den Strand entlang hin zum Meer und vereint sich dort mit der schäumenden Gischt der Flut, die sich an den kleinen Monolithen bricht, alles von der untergehenden Sonne in ein funkelndes Kaleidoskop von rot-orange-violett-hell-und dunkelblau getaucht. In Cannon Beach streifen wir durch die zahlreichen Boutiquen und Galerien, bevor wir uns im Stephanie Inn einquartieren. Cannon Beach ist teuer, aber wer den Haystack Rock, den drittgrößten Monolithen der Welt als reizvolles Fotomotiv vor der Tür stehen hat, zieht natürlich Touristen aus der ganzen Welt an! Oregons gesamte Küste gilt noch immer als Insider-Tipp! Kaum anderthalb Stunden von Portland, der Hauptstadt Oregons, entfernt bezaubert sie ihren Besucher mit einer stillen Gemächlichkeit, die die Sinne zum Öffnen bringt und zum Schauen auffordert. Bereits wenige Stunden an einem ihrer Strände verringert sich das Lebenstempo und macht auf den Reiz, der in der Langsamkeit liegt, aufmerksam. Und hat sie ihren Besucher erst genug verhext, zeigt sie ihm ihr Paradies – 640 km pure Sinnlichkeit, die sich gerne dem zeigen, der auch zum Schauen bereit ist. Quelle: www.goldenage.eu
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